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Taschenlos unterwegs – Die Rainfarn-Maskenbiene

Rainfarn-Maskenbienen (Hylaeus nigritus) haben eine besondere Art, Pollen zu transportieren. Anders als Bienen, die spezielle Strukturen wie Pollenkörbe an ihren Hinterbeinen verwenden, tragen Hylaeus-Bienen den Pollen im Innern ihres Körpers.

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Hylaeus nigritus male 3

Eine männliche Rainfarn-Maskenbiene nimmt Nektar von einer Blüte auf. Bild: Wikimedia Commons/Sarefo, CC-Lizenz

Steckbrief

  • Die Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus) ist eine Solitärbiene, die in ganz Europa, dem Kaukasus und einigen Teilen Russlands verbreitet ist.
  • Sie gehört zur Gattung Hylaeus, die aus mehr als 750 Arten besteht.
  • Sie ist typischerweise 8 bis 10 mm lang, eine Durchschnittsgrösse unter den Hylaeus-Arten.
  • Die Weibchen bauen ihre Nester, die aus 5 bis 20 Brutzellen bestehen, in winzigen natürlichen Hohlräumen wie Felsspalten, Rissen in Betonwänden oder in Trockenmauern. Die Brutzellen werden von den Weibchen mit einem schimmernden, durchsichtigen Sekret ausgekleidet.
  • Die Bienen leben in Sand- und Kiesgruben, Steinbrüchen, in Gebieten mit Trockenmauern, aber auch in Wohngebieten, Gärten und Parks.

Systematik

Reich
Animalia
Stamm
Gliederfüsser (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Hautflügler (Hymenoptera)
Familie
Colletidae
Gattung
Maskenbienen (Hylaeus)
Art
Rainfarn-Maskenbiene (H. nigritus)

Herr und Frau H. nigritus

Rainfarn-Maskenbienen zeigen Sexualdimorphismus, d. h. Weibchen und Männchen sehen sich nicht ähnlich. Obwohl beide schwarz sind, haben die Weibchen weisse, dreieckige Flecken im Gesicht, während die Gesichter der Männchen fast vollständig weiss sind. Sie sehen aus, als würden sie eine Maske tragen, daher auch der Name "Maskenbiene".

Hylaeus nigritus Corinna Herr

Ein Rainfarn-Maskenbienen-Männchen mit seiner charakteristischen "Maske" bei der Aufnahme von Pollen von einer Blüte. Bild: iNaturalist/Corinna Herr, CC-Lizenz

Hylaues nigritus female

Eine weibliche Rainfarn-Maskenbiene mit weissen dreieckigen Flecken im Gesicht. Bild: iNaturalist/Felix Riegel, CC-Lizenz

Nein, danke! Ich brauche keine Tüte.

Im Gegensatz zu anderen Bienen haben Rainfarn-Maskenbienen keine Scopa (eine bürstenartige Struktur am Körper zum Tragen von Pollen), sondern schlucken Pollen und Nektar herunter und transportieren ihn in ihrem Verdauungssystem, genauer im Kropf*. Die Weibchen würgen den gesammelten Pollen in den Brutzellen hervor, um damit ihre Larven zu füttern. Da sie den Pollen im Innern tragen, muss man die Bienen sezieren, um die Herkunft der gesammelten Pollenkörner zu analysieren. Diese Unzugänglichkeit hat unser Verständnis der Blütenpräferenz der Maskenbienen eingeschränkt, während Feldbeobachtungen ergaben, dass die meisten europäischen Hylaeus-Bienen Generalisten sind. Eine neuere Studie hat jedoch gezeigt, dass mindestens 19 der 36 Hylaeus-Arten in Mitteleuropa eine starke Präferenz für eine einzige Pflanzenfamilie haben. Hylaeus nigritus scheint eine besondere Vorliebe für Pflanzen aus der Familie der Korbblütler (Asteracea) zu haben1

Eine weitere Besonderheit der Rainfarn-Maskenbienen ist ihr winziger Saugrüssel. Er hat einen direkten Einfluss auf die Blütenpräferenzen der Bienen, da sie den Nektar in Blüten mit langen Nektarröhren nicht erreichen können. Ihre geringe Körpergrösse verschafft ihnen jedoch einen Vorteil, da sie in kleine Blüten hineinpassen und an den Nektar gelangen können.

Was für ein wespenhaftes Aussehen!

Anders als die meisten Bienenarten sind die Bienen der Gattung Hylaeus weniger behaart, was ihnen das Aussehen einer Wespe verleiht. Hyleoides concinna, eine australische Verwandte von Hylaeus nigritus, hat sogar orangefarbene Streifen, so dass sie von ihren Feinde für eine Grabwespe gehalten wird.

Hyleoides concinna

Die Biene Hyleoides concinna imitiert hervorragend eine Grabwespe. Bild: iNaturalist/Ken Walker, CC-Lizenz

*Glossar

Kropf: Der Kropf ist Teil des Verdauungssystems eines Insekts und befindet sich am Ende der Speiseröhre. Pollen oder Nektar können dort vorübergehend gespeichert und später wieder hervorgewürgt werden, um die Larven zu ernähren.

Quellen

Michener CD. The Bees of the World (2nd ed.). Baltimore: Johns Hopkins University Press. pp. 138,139.

https://www.aussiebee.com.au/hyleoides_concinna.html Stand: 7.5.23

1Müller A. 2023. The hidden diet – examination of crop content reveals distinct patterns of pollen host use by Central European bees of the genus Hylaeus (Hymenoptera, Colletidae). Alpine Entomology 7: 21-35. https://doi.org/10.3897/alpento.7.102639

Westrich P et al. 2000. Rote Liste der Bienen Baden-Württembergs. Naturschutz-Praxis, Artenschutz 4: 56 pp.

Autor:in

20221110 2108 copy

Dr. Kaan Mika

ETH Zurich - The Biocommunication Group

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