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Die Zweifarbige Schneckenhausbiene – Kleiner grosser Baumeister

Die Zweifarbige Schneckenhausbiene fasziniert durch ihr Nistverhalten und ihre einzigartige Technik Pollen zu sammeln. Als wichtiger Bestäuber trägt sie zur Artenvielfalt bei.

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Osmia bicolor, die Zweifarbige Schneckenhausbiene, verdankt ihren Namen ihrem Aussehen und ihrer Vorliebe für leere Schneckenhäuser. Bild: Wikimedia Commons/František ŠARŽÍK, CC-Lizenz 

Steckbrief

  • Osmia bicolor, die Zweifarbige Schneckenhausbiene, ist eine Solitärbiene, die zur Familie der Megachilidae gehört. 
  • Diese winzigen Insekten sind etwa 8–12 mm lang.
  • Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen und tragen zur Artenvielfalt im Ökosystem bei.

Systematik

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüsser (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Hautflügler (Hymenoptera)
Familie
Bauchsammlerbienen (Megachilidae)
Gattung
Osmia
Art
O. bicolor

Keine Sandburgen

Bienen der Gattungen Osmia und Hoplitis werden aufgrund ihres Nistverhaltens auch Mauerbienen genannt. Im Gegensatz zu Honigbienen, die in grossen Kolonien leben, sind Mauerbienen Solitärbienen, das heisst, jedes Bienenweibchen baut sein eigenes Nest. Der Name "Mauerbiene" stammt von der bemerkenswerten Fähigkeit des Insekts, Nester aus Lehm oder anderen natürlichen Materialien zu bauen. 

Das Bienenweibchen sammelt Lehm und baut einzelne Nestkammern in bereits vorhandenen Hohlräumen wie hohlen Stämmen, Spechthöhlen oder anderen geeigneten Spalten. Sorgfältig legt sie eine Reihe von zylindrischen Kammern an, die durch Lehmwände voneinander getrennt sind. Nachdem sie eine Mischung aus Nektar und Pollen in jede Kammer gegeben hat, legt sie ein Ei auf das Futter und verschliesst die Kammern mit Lehm.

Die Zweifarbige Schneckenhausbiene ist jedoch besonders an vorgefertigten Behausungen in Form von Schneckenhäusern interessiert. Sie verschliesst das Schneckenhaus in der Regel mit zerkautem Blattmaterial und tarnt den Nistplatz mit Gras und Tannennadeln. Die Larve schlüpft aus dem Ei, verzehrt den eingelagerten Pollen und Nektar und spinnt dann einen Kokon, um sich zu verpuppen. Die erwachsenen Bienen schlüpfen im Frühjahr, und die Weibchen beginnen mit der Suche nach geeigneten Nistplätzen, um ihre Nester zu bauen und den Zyklus fortzusetzen.

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Eine Zweifarbige Schneckenhausbiene mit gefüllter Scopa verschwindet in einem Schneckenhaus. Bild: © wildbienen.de/Volkmar Nix

Schon gewusst?

Eine weitere interessante Eigenheit der Zweifarbigen Schneckenhausbiene ist ihre Technik zum Sammeln von Pollen. Anstatt wie Honigbienen ihre Hinterbeine zu benutzen, verfügen Mauerbienen über eine "Ventralscopa" oder "Bauchbürste", eine dichte Bürste aus Haaren auf ihrer Körperunterseite, mit der sie Pollen von den Blüten sammeln. Diese einzigartige Anpassung trägt zu ihrer Bestäubungseffizienz bei, die vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die Bienen polylektisch sind, d. h. sie besuchen eine Vielzahl verschiedener Blüten auf der Suche nach Nahrung für ihre Nachkommen.

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Eine Biene der Familie Megachilidae mit Bauchbürste. South Carolina, USA. Im Unterschied zu anderen Bienenarten wie der Honigbiene wird der Pollen an der Körperunterseite statt an den Beinen transportiert. Bild: Wikimedia Commons/Pollinator, CC-Lizenz

Schon gewusst?

In der Schweiz ist Osmia steinmanni, eine Verwandte der Zweifarbigen Schneckenhausbiene, beheimatet, die bisher sonst nirgendwo auf der Welt beobachtet wurde. Sie wurde in der Region Säntis im Kanton Appenzell Innerrhoden (Ebenalp, Altenalp und Fälalp) und im Kanton Graubünden (Avers) nachgewiesen.

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Naturschützer:innen und Gärtner:innen wissen die Rolle von Osmia bicolor als effektiver Bestäuber zu schätzen und versuchen, ihre Populationen zu schützen und zu fördern. Eine Möglichkeit, dies zu tun, besteht darin, ihnen geeignete Nistplätze in Form von "Bienenhotels" zu bieten. Dabei handelt es sich um Holzkonstruktionen mit gebohrten Löchern oder hohlen Röhren, die die natürlichen Nisthöhlen von Mauerbienen nachahmen. Für die Zweifarbige Schneckenhausbiene wäre es ideal, auch einige lose Schneckenhäuser im oder in der Nähe des Hotels aufzustellen. Vor allem wenn das Hotel auf einem Balkon steht, ist es wichtig, dass die Bienen Zugang zu loser Erde, Sand oder Lehm in unmittelbarer Nähe haben, um ihre Nistkammern schliessen zu können. Das Aufstellen dieser Hotels in Gärten oder Obstplantagen kann dazu beitragen, lokale Populationen dieser nützlichen Bienen zu unterstützen und die Bestäubung von Pflanzen in der Nähe zu fördern, da natürlich vorkommende Nistplätze, wie leere Schneckenhäuser guter Qualität, rar sein können.

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Insektenhotels wie dieses können die Fortpflanzung von Solitärbienen wie der Zweifarbigen Schneckenhausbiene fördern. Bild: Adobe Stock

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Dr. Emanuel Devers

ETH Zurich - The Biocommunication Group

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